Katzenbaby auf Autobahn ausgesetzt

Das war die traurigste Feriensaison seit langem

Daniela Roitner

Das war die traurigste Feriensaison seit langem.

Auf der Autobahn ausgesetzt zu werden gehört wohl zu den skrupellosesten Taten, die man Tieren antun kann. Aber genauso erging es dem nur wenige Wochen alten Kater Tornado, der auf der Raststation Golling an der Tauernautobahn ausgesetzt wurde. Neben einem Müllcontainer irrte er herum und wurde gerade noch rechtzeitig gefunden und auf den Tierschutzhof Pfotenhilfe in Lochen gebracht, bevor er mit hoher Wahrscheinlichkeit überfahren worden wäre.

In diesen Sommerferien wurden laut Pfotenhilfe so viele Tiere zurückgelassen, vergessen, ausgesetzt und verstoßen, wie schon viele Jahre nicht mehr. "Die Gefühlskälte der Menschen kennt keine Grenzen, wenn es darum geht ein lästig gewordenes Tier loszuwerden", klagt Geschäftsführerin Johanna Stadler. "Dieses Jahr wurden Tiere auch an den unmöglichsten Plätzen ausgesetzt: in Kartons, auf Raststationen, mitten im Wald, in Plastiksackerln, in und neben Mülltonnen. Besonders erschüttern mich aber auch Fälle wie der, als zu Ferienbeginn ein Hund bei uns abgegeben wurde, weil er "nicht funktioniert" habe, und die Familie kurz danach von einem Züchter einen neuen Welpen gekauft hat!"

Viele hunderte E-mails, dass Menschen "schweren Herzens" ihre Vierbeiner möglichst ohne Kosten irgendwohin abschieben wollen, einfach weil sie sie nicht mehr haben möchten, erreichten die Pfotenhilfe. Diese sind leider häufig mit erpresserischen Aussagen wie etwa "das Tier geht mir so auf die Nerven, es muss sofort weg sonst lasse ich es einschläfern" versehen. "Dass Menschen, wie auch im Fall des kleinen Tornado, der auf der Autobahnstation zurückgelassen wurde, auch den Tod des Tieres in Kauf nehmen, wenn es darum geht es schnell loszuwerden, schockiert mich wirklich", so Stadler. "Für Tornado gibt es nun aber ein Happy End: eine liebevolle Familie mit Katzengesellschaft hat den roten Babykater zu sich genommen." 

Die Pfotenhilfe erinnert in dem Zusammenhang auch wieder an die gesetzliche Kastrationspflicht, gemäß der es Tornado und alle anderen ungewollten Katzenbabys gar nicht geben dürfte. Tiere auszusetzen ist auch sicher kein Kavalierdelikt. Laut Strafgesetzbuch §222 ist es mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe bedroht. Für (gerne auch anonyme) Hinweise von Augenzeugen ist der Tierschutzhof Pfotenhilfe in diesem und allen zukünftigen Fällen sehr dankbar.

So viele Tiere wie schon lange nicht mehr warten derzeit auf dem Tierschutzhof Pfotenhilfe auf ein neues Zuhause. Dort hofft man, dass nach der ferienbedingten Stagnation die Vermittlungszahlen wieder kräftig steigen, um Platz für neue Notfälle zu schaffen.

Foto: Tornado nach seiner Rettung. Copyright: Pfotenhilfe/Sonja Müllner

Hinweis: am Samstag, 6.10.2018 findet wieder der jährliche "Tag der offenen Tür" statt.